5 Wege, wie Sie einen geliebten Menschen mit chronischer Migräne unterstützen können

Wenn Sie einen Menschen mit chronischer Migräne* lieben, fragen Sie sich vielleicht, wie Sie ihn oder sie bestmöglich unterstützen können. Migräne hat nicht nur Auswirkungen auf die betroffene Person – sie beeinflusst auch Beziehungen, Pläne und den gemeinsamen Alltag. Sarah Rathsack zeigt fünf Wege, wie Wissen über Migräne, realistische Erwartungen und offene Kommunikation dabei helfen können, einander besser zu verstehen und gemeinsam mit der Erkrankung umzugehen.
Es ist schwer, um Hilfe zu bitten – besonders, wenn man mit einer chronischen Erkrankung wie Migräne lebt. Oft fühlt man sich wie eine Belastung und möchte die eigene Umgebung nicht zusätzlich beanspruchen, indem man Freundinnen, Freunde oder Angehörige um Unterstützung bittet.
Zu lernen, wie man um Hilfe bittet, war für mich eine große Lektion. Jetzt, da ich diese Hürde überwunden habe, bin ich dankbar für die Unterstützung meiner Familie und Freundinnen und Freunde, wenn mich Migräneattacken aus der Bahn werfen.
Wenn Sie jemanden mit chronischer Migräne oder einer anderen Erkrankung lieben, fragen Sie sich vielleicht, wie Sie am besten helfen können. Es ist nicht immer leicht zu wissen, was die betroffene Person braucht – doch schon ehrliche und offene Kommunikation kann einen großen Unterschied machen.
Nach über 30 Jahren als Migräne-Betroffene habe ich gelernt – und lerne immer noch –, wie ich meinem Umfeld helfen kann, mir zu helfen.
5 Tipps, um Angehörige mit chronischer Migräne zu unterstützen
1. Bleiben Sie flexibel und managen Sie Ihre Erwartungen
Bewahren Sie zunächst eine offene Haltung, wenn Ihr Angehöriger oder Ihre Freundin bzw. Ihr Freund erzählt, was er oder sie gerade durchmacht. Seien Sie flexibel, wenn sich Pläne ändern müssen. Wenn Sie zum Beispiel verabredet sind, essen zu gehen, und Ihr Angehöriger absagt, nehmen Sie das bitte nicht persönlich.
Freundschaften aufzubauen und aufrechtzuerhalten kann für Menschen mit Migräne herausfordernd sein. Da die Erkrankung unvorhersehbar ist, kann es schwierig sein, sich an im Voraus geplante Verabredungen zu halten.
Versuchen Sie, im Leben Ihres Freundes oder Ihrer Freundin präsent zu bleiben und nachzufragen. Zeigen Sie, dass Sie für ihn oder sie da sind – und achten Sie dabei auf gesunde Grenzen. Und haben Sie Verständnis dafür, dass Ihr Freund oder Ihre Freundin manchmal nicht Ihren Erwartungen entsprechen kann – ohne eigenes Verschulden.
2. Informieren Sie sich über Migräne
Viele Menschen verstehen chronische Migräne nicht. Ich kann gar nicht zählen, wie oft das, was ich erlebe, mit normalen Kopfschmerzen verglichen wurde. In Wirklichkeit ist Migräne eine neurologische Erkrankung, die den gesamten Körper betreffen kann. Aufgrund dieser weitverbreiteten Fehlvorstellungen fühlen sich Menschen mit Migräne häufig beurteilt.
3. Zeigen Sie Mitgefühl
Denken Sie daran, dass man nie weiß, womit ein Mensch innerlich gerade zu kämpfen hat. Zeigen Sie Empathie für das, was die betroffene Person durchmacht, und bieten Sie Trost an. Seien Sie eine Quelle der Zuversicht und Unterstützung.
4. Achten Sie auf die Signale Ihres geliebten Menschen
Auch nonverbale Signale wahrzunehmen kann helfen, Ihre Angehörigen während einer Migräneattacke zu unterstützen.
Wenn ich Migräne habe – sowohl vor als auch nach einer Attacke – fällt es mir schwer zu denken und zu sprechen. Oft bin ich zu erschöpft, um überhaupt darum zu bitten oder Unterstützung anzunehmen.
Im Laufe der Jahre hat mein Mann meine Migräne sehr gut kennengelernt und weiß, dass ausbleibende Mahlzeiten für mich ein starker Auslöser sind. Wenn ich nichts gegessen habe, bricht mein Körper regelrecht zusammen. Sobald mein Körper erste „Migräne‑Anzeichen“ zeigt, reicht schon die Entscheidung, was ich essen soll, um mich völlig zu überfordern.
In solchen Momenten kocht mein Mann oder bestellt für mich Essen, das keine Trigger auslöst, und bringt mir ein Glas Wasser. Seine Fähigkeit zu verstehen, was ich brauche, ist unglaublich hilfreich. (Lesen Sie hierzu auch den Artikel)
5. Einfache Kommunikation während einer Migräneattacke ist entscheidend
Während einer Migräneattacke ist oft schon das Sprechen, Bewegen oder Bitten um Hilfe zu anstrengend. Stellen Sie daher einfache, klare Fragen: „Kann ich dir ein Mittagessen bringen?“, „Möchtest du ein Glas Wasser?“, „Ist das Licht zu hell? Soll ich die Lampe dimmen?“, „Soll ich auf deine Kinder aufpassen, während du dich ausruhst?“.
Oder noch besser: Handeln Sie, wenn Sie wissen, was gebraucht wird – ohne viele Worte. Schon kleine Gesten können Großes bewirken. Eine kurze Nachricht oder SMS kann zeigen, dass Ihre Unterstützung auch nach dem Anfall anhält.
Am Ende des Tages ist es für alle Beteiligten herausfordernd, um Hilfe zu bitten, sie anzunehmen oder anzubieten. Doch je mehr Verständnis und Mitgefühl vorhanden sind, desto besser gelingt es, den Umgang mit der Krankheit zu erleichtern.
Ein liebevolles, unterstützendes Umfeld, eine positive Haltung und ein proaktiver Ansatz sind oft die wirksamsten „Hilfsmittel“.
*Chronische Migräne = Kopfschmerzen an ≥15 Tagen pro Monat, davon 8 oder mehr Tage pro Monat mit Migräne-Merkmalen, über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten (https://ichd-3.org/de/1-migrane/1-3-chronische-migraene/)

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